{"id":2,"date":"2016-05-10T03:48:21","date_gmt":"2016-05-10T03:48:21","guid":{"rendered":"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?page_id=2"},"modified":"2020-04-17T15:17:07","modified_gmt":"2020-04-17T15:17:07","slug":"sample-page","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?page_id=2","title":{"rendered":"Leo Grewenig"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap p-century-gothic\">Leo Grewenig wurde 1898 in Heusweiler im Saarland geboren. Nach der ersten handwerklichen Ausbildung im elterlichen Malerbetrieb absolvierte er 1921 bis 1923 ein Studium der Malerei an der Kunstakademie in Kassel.&nbsp;Dieses Studium erschien ihm aber zu traditionell und akademisch und so suchte er nach einer Alternative, die er schlie\u00dflich am Bauhaus fand, wo alle fortschrittlichen k\u00fcnstlerischen Ideen und Bestrebungen der Zeit wie in einem \u201eSchmelztiegel der internationalen Avantgarde\u201c geb\u00fcndelt waren.&nbsp;Dort besuchte er zun\u00e4chst den obligatorischen Vorkurs von L\u00e1szl\u00f3 Moholy-Nagy und Josef Albers und durfte parallel dazu in die Klasse f\u00fcr Wandmalerei unter Leitung von Wassily Kandinsky eintreten. Dies war ein Privileg, das Grewenig wahrscheinlich wegen seiner k\u00fcnstlerischen und handwerklichen Vorbildung und wegen besonderer Leistungen genoss.&nbsp;Zus\u00e4tzlich belegte er Kurse zur Formen- und Farbenlehre bei Kandinsky und Klee. Bereits im M\u00e4rz 1925 schloss er seine Ausbildung mit dem Gesellenbrief des Bauhauses ab. Zus\u00e4tzlich erwarb er noch den Meisterbrief im Malerhandwerk bei der Handwerkskammer in Weimar. Sein Meisterst\u00fcck war die farbige Neugestaltung des Hauses Ortleb, ein Auftrag den ihm Wassily Kandinsky vermittelt hatte.&nbsp;Kandinsky war es auch, der ihn als Leiter der Werkstatt f\u00fcr Wandmalerei nach Dessau mitnehmen wollte \u2013 ein Angebot, das Leo Grewenig ablehnte. Nach einer kurzen Zwischenzeit im Saarland lie\u00df er sich 1928 in Berlin nieder, wo er erfolgreich als freier K\u00fcnstler arbeitete und unter anderem von Max Liebermann in der Berliner Sezession protegiert wurde. Durch diesen bekam er auch die M\u00f6glichkeit, den fr\u00fchen, auch f\u00fcr K\u00fcnstler schwierigen Verh\u00e4ltnissen durch die Nationalsozialisten zu entkommen: An der Kunsthochschule Berlin Sch\u00f6neberg studierte er Kunsterziehung und legte 1931 sein Staatsexamen ab.&nbsp; In den folgenden Jahren unter der nationalsozialistischen Diktatur konnte Grewenig im Saarland als Kunsterzieher arbeiten. Aufgrund der Bewerbung f\u00fcr eine kleine Ausstellung im Saarland wurde er 1942 durch die Reichskammer der bildenden K\u00fcnste mit Mal und Ausstellungsverbot belegt und seine Kunst als entartet bezeichnet. Nach zweimaliger Verwundung kehrte er aus dem Krieg zur\u00fcck und begann sich k\u00fcnstlerisch weiter zu entwickeln. Den Anschluss an die seine fr\u00fcheren gewollt-naiv-fig\u00fcrlichen Szenenbilder mit Motiven aus dem allt\u00e4glichen Leben, beispielsweise Volksfesten, Feiertagen und Freizeitspa\u00df fand er nicht und so wandte er sich Mitte der 1950er Jahre wandte der gegenstandslosen Malerei zu. Voll entfalten konnte er sich, als er 1957 nach Bensheim an der Bergstra\u00dfe zog, wo er au\u00dferdem nebenberuflich am Alten Kurf\u00fcrstlichen Gymnasium als Kunsterzieher t\u00e4tig war. Es folgten Ausstellungserfolge in renommierten internationalen Museen und Galerien und viele Auszeichnungen wie 1973&nbsp; die Verleihung des Professorentitels durch die Saarl\u00e4ndische Landesregierung oder 1977 das Bundesverdienstkreuz. Bis zu seinem Tod im Jahre 1991 arbeitete Grewenig intensiv und hinterlie\u00df ein opulentes Werk, welches in zahlreichen Museen pr\u00e4sent gehalten wird.<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p class=\"has-drop-cap p-century-gothic\">Bereits als 18-J\u00e4hriger zeichnet Grewenig mit einer Begabung sondergleichen.&nbsp; Gekonnt setzt er Reflexe und Lichtspiele in der Art von Lovis Corinth und Max Slevogt. An der Akademie in Kassel muss er jedoch zeichnen, wie er es gar nicht will \u2013 eng, akademisch. Grau und d\u00fcster empfindet er die Malerei bis sein Lehrer Kay Nebel ihm erlaubt, freie Arbeiten anzufertigen. Er entscheidet sich f\u00fcr ein Thema, von dem wir heute noch nicht wissen, was der Ausl\u00f6ser daf\u00fcr war: Unter dem Einfluss des Impressionismus entstehen kleinformatige Bilder mit Szenen des Alltags, wie Seilt\u00e4nzer beim Gassenzirkus und Schlittenfahrt im Winter. Grewenig schafft kleine Figuren in einem gewollt kindlichen Malstil. Kannte Grewenig die Arbeiten Henri Rousseaus oder Camille Bomboirs? Die fig\u00fcrliche Malerei wird Grewenig nicht loslassen. Besonders w\u00e4hrend und nach der Bauhauszeit spielen Figuren eine wichtige Rolle. So entstehen 1924 am Weimarer Bauhaus die Arbeiten \u201eGeheimrat, Zauberer, Hexe\u201c und im Vorkurs bei Moholy Nagy zum Thema Gleichgewicht und Transparenz die weit bekannte Skulptur \u201eT\u00e4nzerin\u201c \u2013 eine Figurine aus Furnierholzst\u00e4bchen. Scheinbar im Gegensatz zur angeblich konstruktiven und gegenstandslosen Bauhauslehre stehend, malt Gewenig weiter \u201egewollt-naiv\u201c und wird anscheinend durch Paul Klees Suche nach kindlicher Unverdorbenheit best\u00e4rkt. Dennoch sind die durchg\u00e4ngig kleinformatigen Szenenbilder streng durchkomponiert und teilweise geometrisch aufgebaut. Auch in der Farbigkeit entscheidet sich Grewenig f\u00fcr Prinzipien, denen er zeitlebens treu bleibt: eine verhaltene Buntfarbigkeit, daf\u00fcr aber gebrochene Braun- und Graut\u00f6ne in Vielf\u00e4ltigkeit. Die selbst hergestellten Farben sind matt und zur\u00fcckhaltend. Sein Studium am Bauhaus pr\u00e4gt ihn sehr, und so \u00e4u\u00dfert Grewenig sich 1962 selbst in einem Brief an Hans Maria Winkler, den damaligen Leiter des Bauhaus Archivs in Darmstadt: &#8222;\u2026und so habe ich doch \u2026 im eigenen K\u00fcnstlerischen Leistungen aufzuweisen, die grunds\u00e4tzlich dem Wesen des alten Bauhausgedankens nahestehen\u2026&#8220;.<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p class=\"has-drop-cap p-century-gothic\">W\u00e4hrend der Diktatur der Nationalsozialisten malt Grewenig, wie viele bekannte Maler in dieser Zeit, zunehmend naturalistisch. Menschenfiguren verschwinden aus seinen Bildern. Landschaften und Stillleben dominieren w\u00e4hrend der 1940er Jahre. Es entsteht ein Bruch in seinem Werk, der nicht mehr geschossen wird. Er selbst bezeichnet diese Bilder als \u201eFinger\u00fcbungen\u201c. Nach dem Krieg kann er nicht mehr an seine Szenenbilder aus dem Fr\u00fchwerk ankn\u00fcpfen. Eine Fortsetzung seiner Malerei kann nur \u00fcber die Hinwendung zur Gegenstandslosigkeit erfolgen. Diese entwickelt er in den 1950er Jahren aus einer Phase des Surrealismus. Hier tauchen in seinen Bildern Figuren noch zum Beispiel in Form von Naturgeistern auf, bis sie schlie\u00dflich v\u00f6llig abstrahiert und am Ende g\u00e4nzlich gegenstandslos sind. Grewenig bleibt beim kleinen Format, denn seine Inhalte sind auch kleine Welten, die er schafft. In einem Stein oder einem Gew\u00e4chsschnitt entdeckt er unendlich viele Strukturen, die er gleichnishaft in zur\u00fcckgenommener Farbigkeit wiedergibt. Ein Bild entsteht bei Grewenig h\u00e4ufig aus der Mitte heraus: Experimentell malerisch \u00fcberl\u00e4sst er es dem Zufall, diverse Farben und Materialien auf den Grund aufzutragen, bis sie das ganze Format ausf\u00fcllen. Die so gewachsenen Strukturen werden anschlie\u00dfend herausgearbeitet, eingefangen, verst\u00e4rkt und h\u00e4ufig ornamentiert. Das anf\u00e4nglich zuf\u00e4llig entstandene Chaos wird geordnet, indem die Bilder oft mit Grau- oder Braunt\u00f6nen \u00fcbermalt werden. Nur ein St\u00fcck offengelassener Fl\u00e4che l\u00e4sst den Blick auf die urspr\u00fcnglichen Strukturen noch zu. Diese Prozesse k\u00f6nnen sich \u00fcber Jahre hinziehen. Und trotzdem ist es der Wille Leo Grewenigs, am Ende die urspr\u00fcnglichen Strukturen unter den aufgetragenen Farbschichten erkennen zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leo Grewenig wurde 1898 in Heusweiler im Saarland geboren. 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