{"id":885,"date":"2023-03-10T15:52:19","date_gmt":"2023-03-10T15:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?page_id=885"},"modified":"2023-03-10T15:56:45","modified_gmt":"2023-03-10T15:56:45","slug":"ein-zollingerdach-in-auerbach","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?page_id=885","title":{"rendered":"Ein Zollingerdach in Auerbach"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-891 size-full\" srcset=\"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/20230105_142726-1-1980x1485.jpg 1980w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"p-century-gothic has-subtle-background-background-color has-background has-small-font-size\">Wohnhaus<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic has-subtle-background-background-color has-background has-small-font-size\">Baujahr: 1926\/27<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic has-subtle-background-background-color has-background has-small-font-size\">Architekt: Karl Wilhelm Kohl<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic has-subtle-background-background-color has-background has-small-font-size\">empfohlen von: Eva Bambach<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic has-subtle-background-background-color has-background has-small-font-size\">Foto: Eva Bambach<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">In der Auerbacher Bl\u00fccherstra\u00dfe steht ein Haus mit einem ungew\u00f6hnlichen Dach. Es entstand zur &#8222;Bauhaus-Zeit&#8220;, ist aber mit seiner dekorativen Backsteinverzierung und den gerundeten Dachfl\u00e4chen Ausdruck eines ganz anderen Stilwollens. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Trotzdem hat das Haus viel mit dem Neuen Bauen der 1920er-Jahre in Deutschland zu tun und spiegelt wie dieses die Suche nach kosteng\u00fcnstigen M\u00f6glichkeiten Wohnraum zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Schon im Kaiserreich hatte man angesichts massenhafter Wohnungsnot die Notwendigkeit eines staatlichen Eingreifens in die Wohnungsbaut\u00e4tigkeit erkannt. Nach jahrelangem Ringen kam in den letzten Monaten des Ersten Weltkrieges ein entsprechendes Gesetz zustande, das auch die Tapferkeit der k\u00e4mpfenden Soldaten mit dem Versprechen einer menschenw\u00fcrdigen Wohnung st\u00e4rken sollte. Gemeinn\u00fctzige Baugesellschaften sollten finanziell gef\u00f6rdert werden und die Gro\u00dfst\u00e4dte wurden zur Errichtung von Wohnungs\u00e4mtern verpflichtet. W\u00e4hrend der Nachkriegsinflation mussten dann viele Wohnungsbauunternehmen aufgeben, daf\u00fcr wurden Wohnungsf\u00fcrsorgegesellschaften gegr\u00fcndet, die auch auf eine qualitative Verbesserung der Neubauten hinwirken sollten. Es galt gleichzeitig, die Baukosten durch Gro\u00dfeinkauf und Massenherstellung zu senken und allgemein die Typisierung und Normierung voranzutreiben, die Betreuung der Bauprojekte zu \u00fcbernehmen und die Finanzierung sicherzustellen. Ein Gro\u00dfteil der neuen Bauaufgaben wurde im Siedlungsbau gesehen, wie sie etwa in Frankfurt durch die von Stadtbaurat Ernst May initiierten, vom Neuen Bauen gepr\u00e4gten Siedlungen noch heute repr\u00e4sentieren. Aber auch einzelne Wohnbauten wurden gef\u00f6rdert \u2013 und zu diesen geh\u00f6rte das hier betrachtete Haus in der Bl\u00fccherstra\u00dfe in Auerbach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Der Architekt war Karl Wilhelm Kohl, geboren 1896 in Goddelau und damals Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei der Wohnungsf\u00fcrsorge-Gesellschaft f\u00fcr Hessen, der auch f\u00fcr die Pl\u00e4ne vieler weiterer H\u00e4user in S\u00fcdhessen verantwortlich war, etwa in Arheilgen, B\u00fcrstadt oder B\u00fcdesheim. Aber auch in Bensheim gibt es noch mindestens zwei weitere von ihm geplante H\u00e4user: in Auerbach in der Weinbergstra\u00dfe und in Fehlheim. Bei diesen und fast allen anderen hat er ein traditionelles Sattel- oder Walmdach geplant. Nur im pf\u00e4lzischen Dudenhofen gibt es zwei weitere H\u00e4user, die Kohl 1926\/27 mit Spitztonnendach, also \u201eZollingerdach\u201c, entworfen hatte. Er experimentierte wohl damals mit dieser Dachform, ohne diesen Weg weiter zu verfolgen. In sp\u00e4teren Entw\u00fcrfen setzt er wieder auf traditionelle Dachformen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"768\" src=\"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Zollingerdach_Konstruktion_Lindenweg_Wittenberge-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-893\" srcset=\"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Zollingerdach_Konstruktion_Lindenweg_Wittenberge-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Zollingerdach_Konstruktion_Lindenweg_Wittenberge-300x225.jpg 300w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Zollingerdach_Konstruktion_Lindenweg_Wittenberge-768x576.jpg 768w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Zollingerdach_Konstruktion_Lindenweg_Wittenberge-1200x900.jpg 1200w, https:\/\/klg-bergstrasse.de\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Zollingerdach_Konstruktion_Lindenweg_Wittenberge.jpg 1250w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Dachstuhl eines Zollingerdachs in Wittenberge, Foto: Dennisgerloff, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Immerhin war das Zollingerdach eine ganz neue, erst 1923 patentierte Konstruktion. Entwickelt worden war sie von Friedrich Zollinger. 1880 in Wiesbaden geboren, hatte dieser an der Technischen Hochschule Darmstadt Architektur und St\u00e4dtebau studiert. Sein Dach ist eine Holzkonstruktion aus vielen gleichartigen Holzelementen, die zu Rauten zusammengesetzt und miteinander verschraubt werden. Der Zusammenbau erfordert keine Fachkenntnisse und die Teile kommen vorfabriziert auf die Baustelle. Die W\u00f6lbung schafft viel lichten Raum, ohne dass St\u00fctzen ben\u00f6tigt werden. Au\u00dferdem sinkt der Holzbedarf insgesamt erheblich und es werden, anders als im traditionellen Dachbau, keine langen Bohlen ben\u00f6tigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Ob das Haus in der Auerbacher Bl\u00fccherstra\u00dfe eher dem Heimatschutzstil oder dem architektonischen Expressionismus zugerechnet werden kann, ist eine vielleicht m\u00fc\u00dfige \u00dcberlegung. Sein Architekt Karl Wilhelm Kohl jedenfalls war zur Bauzeit schon ein \u00fcberzeugter Nationalsozialist: 1922 in die SA eingetreten und in den Folgejahren mehrfach bef\u00f6rdert, war er seit 1923 Mitglied der NSDAP.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Doch wurde das Zollingerdach auch von Protagonisten des Neuen Bauens wahrgenommen. Auch der Frankfurter Stadtbaurat Ernst May hatte sich mit dem Zollingerdach besch\u00e4ftigt und es f\u00fcr eine seiner ersten experimentellen Wohnsiedlungen gleich mehrfach eingesetzt, n\u00e4mlich f\u00fcr die zwischen 1919 und 1924 entworfene Siedlung in <a href=\"https:\/\/polska-org.pl\/626131,foto.html?idEntity=587314):\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Breslau-Oltaschin<\/a>. Sp\u00e4ter verwendete May die Dachform nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex wp-block-buttons-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?page_id=544\">Zur\u00fcck zu: Bauhaus &#8211; und weiter?<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wohnhaus Baujahr: 1926\/27 Architekt: Karl Wilhelm Kohl empfohlen von: Eva Bambach Foto: Eva Bambach In der Auerbacher Bl\u00fccherstra\u00dfe steht ein Haus mit einem ungew\u00f6hnlichen Dach. Es entstand zur &#8222;Bauhaus-Zeit&#8220;, ist aber mit seiner dekorativen Backsteinverzierung und den gerundeten Dachfl\u00e4chen Ausdruck eines ganz anderen Stilwollens. 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