{"id":188,"date":"2017-11-15T16:08:00","date_gmt":"2017-11-15T16:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?p=188"},"modified":"2020-04-17T16:15:06","modified_gmt":"2020-04-17T16:15:06","slug":"herbstexkursion-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/klg-bergstrasse.de\/?p=188","title":{"rendered":"Herbstexkursion 2017"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dessau<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Was w\u00e4re gewesen, wenn Leo Grewenig in den 1920er-Jahren das Angebot des gro\u00dfen Bauhaus-Meisters Wassily Kandinsky angenommen h\u00e4tte, und nach seiner eigenen Ausbildung am Bauhaus in Weimar mit der ber\u00fchmten Schule nach Dessau umgezogen w\u00e4re &#8211; als Leiter der Klasse f\u00fcr Wandmalerei? Stattdessen entschied Grewenig sich f\u00fcr die freie Kunst und schlie\u00dflich f\u00fcr eine Ausbildung zum Kunstp\u00e4dagogen, als der er zun\u00e4chst zur\u00fcck in seine saarl\u00e4ndische Heimat und schlie\u00dflich an die Bergstra\u00dfe kam \u2013 die Beziehung zwischen ihm und seinen hiesigen Sch\u00fclern beleuchtete vor wenigen Wochen erst eine Ausstellung der Kunstfreunde Bergstra\u00dfe im Damenbau des&nbsp; F\u00fcrstenlagers.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Wenn auch Leo Grewenig selbst einst dem Bauhaus den R\u00fccken kehrte, so bestehen doch heute wieder Verbindungen zu dem 1933 geschlossenen Institut, das inzwischen zu den Welterbest\u00e4tten der UNESCO z\u00e4hlt. Vor einigen Jahren schenkte Waltrud Grewenig-H\u00f6lscher im Namen der Erbengemeinschaft den Sammlungen der Stiftung Bauhaus Dessau etwa 50 Bilder des Vaters. Im restaurierten Meisterhaus Wassily Kandinsky in Dessau gab es im Sommer 2011 eine Ausstellung mit Grewenig-Werken, zu der Erich Henrich, Vorsitzender des Vereins Kulturinitiative Leo Grewenig, die Einf\u00fchrungsrede hielt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Nun f\u00fchrte die diesj\u00e4hrige, von Erich Henrich organisierte Herbst-Exkursion ans Bauhaus nach Dessau. Die 25 Teilnehmer wurden von Wolfgang Th\u00f6ner, dem Leiter der Sammlungen, begr\u00fc\u00dft und durch das von Walter Gropius 1925\/26 entworfene Bauhaus-Geb\u00e4ude begleitet. Deutlich wurde, wie begierig am Bauhaus damals technische Neuerungen aufgegriffen wurden \u2013 nicht nur die neue Bautechnik mit Stahltr\u00e4gern und die M\u00f6glichkeit, gro\u00dfe durchgehende Glasfl\u00e4chen anzufertigen, verschafften gestalterische Freiheit, sondern Gropius orientierte sich auch an in der Industrie verwendeten Bauteilen wie speziellen verstellbaren Fenstern. Vieles von dem, was als &#8222;typisch Bauhaus&#8220; bekannt wurde, wurde hier zwar nicht erfunden, aber erstmals \u00e4sthetisch aufgegriffen und im Sinne einer sich als Gesamtkunstwerk verstehenden Architektur angewendet, die von allen Seiten gleichwertig zu betrachtende Bauk\u00f6rper mit zur\u00fcckgenommener Betonung hierarchischer Strukturen schuf . Die besondere Stellung des Bauhauses als \u2013 nicht von allen Seiten willkommen gehei\u00dfenem &#8211; Vermittler zwischen Handwerk und industrieller Fertigung wird in Dessau derzeit in einer tempor\u00e4ren Ausstellung thematisiert. Diese stand ebenso auf dem Exkursionsprogramm wie ein Besuch der restaurierten, einst ebenfalls von Walter Gropius entworfenen Meisterh\u00e4user und ein Rundgang durch die Siedlung Dessau-T\u00f6rten mit Beispielen f\u00fcr die Ideen von Walter Gropius und seinem Nachfolger am Bauhaus, Hannes Meyer. Es ging um die L\u00f6sung st\u00e4dtebaulicher und sozialer Probleme durch kosteng\u00fcnstigen Massenwohnbau, der sowohl den Gedanken der Selbstversorgung als auch des gesunden und komfortablen Wohnens gerecht werden sollte \u2013 in Wohnungen und H\u00e4usern, die oft &nbsp;weniger als 50 Quadratmeter Wohnfl\u00e4che boten. Deutlich wurde&nbsp; bei der Besichtigung zum Teil noch im Original erhaltener Wohnungen auch der experimentelle Charakter der Planungen. Die einzelnen Bautypen mussten zum Teil noch w\u00e4hrend der Ausf\u00fchrung in Bauabschnitten ver\u00e4ndert werden, nicht nur wegen vereinzelter architektonischer Unzul\u00e4nglichkeiten, sondern auch wegen der fortschreitenden Inflation.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Beim Abendessen lernten die Exkursions-Teilnehmer schlie\u00dflich auch noch die von Carl Fieger, einem Mitarbeiter von Gropius, der ebenfalls am Bauhaus t\u00e4tig war, an der Elbe 1929\/30 errichtete Gastst\u00e4tte &#8222;Kornhaus&#8220; kennen, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet \u00fcberstand, auch in der DDR als Gastst\u00e4tte betrieben wurde und noch \u00fcber viele originale Ausstattungselemente verf\u00fcgt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"p-century-gothic\">Im nahe Dessau gelegenen W\u00f6rlitz mit seinen \u2013 ebenfalls auf der Liste der UNESCO-Welterbest\u00e4tten verzeichneten \u2013 Schloss- und Gartenanlagen aus der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts gab es Gelegenheit, das aufkl\u00e4rerische, um Reform bem\u00fchte Wirken des Erbauers, F\u00fcrst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau zu studieren. In Zusammenarbeit mit seinem Freund Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff schuf er mit seinem Sommersitz ein Ensemble, das das Sch\u00f6ne mit dem N\u00fctzlichen verbinden sollte und zur Belehrung der Bev\u00f6lkerung von Anfang an f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich war. \u00c4hnlich dem Bauhaus sp\u00e4ter war auch Leopold III. technischen und vor allem praktischen, raumsparenden Ideen zugetan \u2013 in seinem Schloss finden sich nicht nur in den W\u00e4nden versenkbare Fensterl\u00e4den, Betten und Schr\u00e4nke, sondern auch ausgefeilte Einrichtungen etwa zum H\u00e4ndewaschen direkt im Speisesaal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dessau Was w\u00e4re gewesen, wenn Leo Grewenig in den 1920er-Jahren das Angebot des gro\u00dfen Bauhaus-Meisters Wassily Kandinsky angenommen h\u00e4tte, und nach seiner eigenen Ausbildung am Bauhaus in Weimar mit der ber\u00fchmten Schule nach Dessau umgezogen w\u00e4re &#8211; als Leiter der Klasse f\u00fcr Wandmalerei? 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