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Exkursionen Schwarzes Brett

Fahrt nach Frankfurt, April 2022

Unsere Frühjahrsexkursion brachte uns mit 22 Teilnehmern per Bahn ins Frankfurter Ostend. Dort führte uns der promovierte Architekt Arne Winkelmann rund um die EZB und die ehemalige Großmarkthalle von Martin Elsaesser. Beeindruckt waren wir am Ende nicht nur von Schönheit und Raffinesse des als uneinnehmbare Festung angelegten Hochhauses der Coop Himmelb(l)au, sondern auch von der Ästhetik und gleichzeitigen Funktionalität des in den 1920er-Jahren errichteten Gebäudes von Martin Elsaesser.

Das Hochhaus der EZB mit schützenden Wall- und Zaunanlagen
Foto: klg-bergstrasse, CC BY-ND 4.0

Von Stadtbaurat Ernst May nach Frankfurt berufen, um an dem umfassenden Projekt des Neuen Frankfurt mitzuwirken, setzte Elsaesser traditionelle Baustoffe wie etwa Ziegel mit viel Sinn für Materialgerechtigkeit ein, experimentierte aber auch mit neuen Techniken wie dem Betonguss der Tonnengewölbe für die große Markthalle, die mit einer Materialstärke von nur sieben Zentimetern leicht und trotzdem sehr haltbar waren und selbst bei der aktuellen Sanierung im Rahmen des EZB-Baus nur wenig Zuwendung brauchten.

Die Großmarkthalle mit dem sie durchstoßenden Eingangsgebäude
Foto: klg-bergstrasse, CC BY-ND 4.0

Aus Denkmalschutz-Perspektive war die Einbindung in das EZB-Projekt wohl ein Glücksfall, auch wenn der moderne Eingangsbau, der das alte Gebäude durchdringt, auf manchen zunächst verstörend wirken mag: Durch den Neubau wurden nur solche Gebäudeteile entfernt, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ohnehin nicht mehr im Original erhalten waren. Nachdem die Markthalle 2004 ihre Funktion an das „Frischezentrum Frankfurt“ in Kalbach-Riedberg verloren hatte, war es schwer, eine neue Nutzung für das riesige Gebäude zu finden, die zugleich den Erhalt des Baudenkmals garantiert hätte.

Führung um das EZB-Gelände mit dem Architekturspezialisten Arne Winkelmann
Foto: Norbert Koller, CC BY-ND 4.0

Beim Umschreiten des großen EZB-Komplexes besuchten wir sozusagen automatisch die Gedenkstätte der Architekten KatzKaiser, in der an die Massendeportation und Ermordung der jüdischen Bevölkerung erinnert wird. Die Nationalsozialisten benutzten den Keller der Großmarkthalle 1941 bis 1945 als Sammelplatz für insgesamt mehr als 10 000 Menschen, von denen weniger als 200 das Grauen überlebten. Die zurückhaltende, doch umso eindringlichere Gestaltung der Gedenkstätte setzt nicht auf Inszenierung. Noch Vorhandenes, wie die Eisenbahnschienen, wurde lediglich konserviert. Das Erinnern geschieht in der Hauptsache durch Zitate von ermordeten Frankfurter Bürgern, von Überlebenden des Holocaust und von Beobachtern der Massendeportationen, die in den Beton eingelassen sind.

Großmarkthalle, Bürotrakt und Reste der Eisenbahnschienen
Foto: klg-bergstrasse, CC BY-ND 4.0

Nach einem Spaziergang am Main entlang in die Altstadt und einer individuell gestalteten Mittagspause besuchten wir in zwei geführten Gruppen die Ausstellung „Marcel Duchamp“ im Museum für Moderne Kunst (MMK).  Neben den bekannten Ready-Mades zeigte die Ausstellung ausführlich auch das Frühwerk mit der Annäherung Duchamps an die unterschiedlichen Fragestellungen der Malerei und der bildenden Kunst, private Notizen und Korrespondenz und frühe Karikaturen für unterschiedliche Zeitschriften. Deutlich wurde – auch durch filmische Dokumente aus den 1960er-Jahren (Duchamp starb 1968) – der philosophische Ansatz des Künstlers, der grundlegend für letztlich die gesamte künstlerische Entwicklung im 20. Jahrhundert wurde. Da die Rückfahrt wegen der Bahn-Gruppentickets in unabhängigen Fünfergruppen erfolgte, konnte die Verweildauer in der umfangreichen Ausstellung nach persönlichem Bedarf geregelt werden.

EZB-Hochhaus mit ehemaliger Markthalle und dem Riegel des Bürotrakts
Foto: klg-bergstrasse, CC BY-ND 4.0
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8. Frühjahrsexkursion

Liebe KLG-Mitglieder,

es geht wieder los! Der Vorstand der KLG hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, in diesem Frühjahr – trotz der weiterhin hohen Inzidenzen – wieder einmal eine Exkursion durchzuführen, allerdings ohne Bus und in die nähere Umgebung. Wir haben uns entschlossen, am 23. April eine eintägige Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Frankfurt, zu einer Architekturführung EZB/Großmarkthalle und zur Austellung “Marcel Duchamp”, anzubieten, an der insgesamt 30 Personen teilnehmen können.

Wir hoffen (und würden uns freuen) wenn wir für diese Fahrt möglichst viele Teilnehmer gewinnen könnten.

Programmablauf

8.51 Uhr – Abfahrt in Bensheim Bahnhof (mit dem Zug) / Umstieg in Langen in die S3 (9.19 Uhr) 9.36 Uhr – Ankunft in Frankfurt Ostendstr. 9 / Fußweg 500 m 10.00 Uhr – Architekturführung rund um den Neubau der EZB und die Reste der Großmarkthalle von Martin Elsaesser Anschließend Spaziergang entlang des Mains / Möglichkeit zum Mittagessen 14.00 Uhr – Führung durch die Ausstellung „Marcel Duchamp“ im Museum für Moderne Kunst (MMK) 17.00 Uhr – Rückfahrt nach Bensheim / Mit dem Hessenticket in 5er-Gruppen kann die Heimfahrt flexibel geregelt werden

Kosten

40,- € pro Person (für Mitglieder) 45,- € pro Person (für Nicht-Mitglieder). Im Preis inbegriffen sind Fahrtkosten, Eintrittsgelder und 2 Führungen.

Die Teilnahme erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen, wobei zunächst die Vereinsmitglieder
berücksichtigt werden.

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Fahrt nach Mannheim, Herbst 2021

Nach der langen Pause in unseren Vereinsaktivitäten führte uns am 9. Oktober der Weg nach Mannheim. Bevor wir demnächst unsere klassischen Exkursionen mit dem Bus wieder starten, versuchten wir uns am „kleinen Format“ mit niedrigem finanziellen Risiko.

Wir fuhren mit der Bahn nach Mannheim und bewegten uns dort zu Fuß und per Straßenbahn. Auf dem Weg vom Hauptbahnhof zur Kunsthalle begegneten wir mit der Straßenbahnhaltestelle am Tattersall dem ersten Denkmal aus der „Bauhausvergangenheit“ Mannheims – erbaut 1928 vom Leiter des Städtischen Hochbauamts Josef Zizler, heute zwar sehr vernachlässigt aber doch komplett, mit nur einer dezenten Erweiterung erhalten.

Straßenbahnhaltestelle am Tattersall, Foto Uwe Horst, CC BY-ND 4.0

In einer zweistündigen Führung durch die Kunsthalle lernten wir den 2018 eröffneten Hector-Bau (Planer: gmp – von Gerkan Marg und Partner) und den 1909 eröffneten Altbau von Hermann Billings kennen – sowohl das Konzept der „Stadt in der Stadt“ mit einem jedermann kostenlos zugänglichen Forum zwischen den Ausstellungsräumen als auch die Probleme in der Bauausführung wie herabfallende oder verzogene Fassadenplatten. Themen waren auch Schwerpunkte der durch die unterschiedlichen Direktoren geprägten Sammlung wie die französische Malerei des 19. Jahrhunderts oder die Neue Sachlichkeit und einzelne Highlights wie der früh und damit noch „günstig“ erworbene „Schreiende Papst“ von Francis Bacon aus dem Jahr 1951 oder Edouard Manets lange Zeit nicht öffentlich zeigbares Monumentalbild von der Erschießung Kaiser Maximilians von Mexiko.

Nach der Mittagspause sahen wir uns drei zwischen 1927 und 1930 entstandene Gebäudekomplexe an, was derzeit leider nur von außen möglich war. Anhand von Fotos aus der Erbauungszeit und Ansichten vergleichbarer Gebäude gewannen wir einen Eindruck von den ehemals kühnen Architekturen, die im Stadtbild heute auf den ersten Blick eher wie Bauten der Nachkriegszeit wirken.

So etwa das ehemalige Palasthotel Mannheimer Hof in der Augustaanlage 4-6 (jetzt Leonardo Royal Hotel Mannheim), bis 1930 im Auftrag der Stadt Mannheim unmittelbar angrenzend an die üppige Architektur aus Gründerzeit und Jugendstil rund um den Wasserturm erbaut. Der Architekt Fritz Becker (1882-1973) war wie die meisten Architekten des Neuen Bauens kein Bauhäusler, sondern ausgebildet an der TU Darmstadt und der TH München, wo etwa auch Walter Gropius, Ernst May, Erich Mendelsohn oder Josef Zizler studierten.

Die dezidiert moderne Haltung entsprach der vom Mannheimer Bürgermeister Heimerich vor und nach der Zeit des Nationalsozialismus getragenen Ausrichtung an Prinzipien des Bauhauses (für dessen Ansiedlung in Mannheim es sowohl 1925 als auch nach dem Zweiten Weltkrieg erfolglose Bemühungen gab).

Foto: Norbert Koller, CC BY-ND 4.0

Auch die Neuapostolische Kirche in der Neckarstadt (Moselstraße 6-8), von dem Mannheimer Architekten Wilhelm Friedrich Würth 1929 geplant, regt den Vorübergehenden kaum zum Innehalten an. Der asymmetrisch angelegte Sakralbau wendet sich mit seinem Trakt mit Predigerwohnungen und dem 22 m hohen Turm von allen tradierten Kirchenbauformen ab. Das Nüchterne und Zweckmäßige triumphiert über die feierliche Überhöhung. Veränderungen an den Fenstern und der Außenhaut und das Entfernen einst vorhandener Balkone lassen die frühere Klarheit der Konzeption kaum noch erkennen, obwohl die Baukörper an sich nicht verändert wurden.

Fröbel-Seminar, Foto Uwe Horst, CC BY-ND 4.0

Ganz anders das Fröbel-Seminar im Lindenhof (Rennerhofstraße 2), das, wohl vom Bauhaus-Musterhaus „Haus am Horn“ in Weimar angeregt, 1926 von Bauamtsleiter Josef Zizler geplant wurde und als Ort für Licht und Luft im Grünen noch heute seinen Charakter bewahrt hat und nur durch ein angepasstes Nebengebäude vor einigen Jahren erweitert wurde. Als erstes Gebäude im Bauhaus-Stil in Mannheim wurde es vom Städtischen Hochbauamt für die beiden Pädagoginnen (und Schwestern) Rosa und Dora Grünbaum errichtet. Diese hatten im Jahr 1900 einen Kindergarten mit Seminarräumen zur Ausbildung von Kindergärtnerinnen gegründet, der in dem neuen Gebäude Platz für 85 Kleinkinder und 200 Schülerinnen bot. 1933 wurden Rosa und Dora Grünbaum hier während des Unterrichts verhaftet und später ermordet. Während der Nazizeit wandten sich viele Architekten, wie auch Fritz Becker und Josef Zizler, schnell dem rückwärtsgewandten Heimatstil zu.

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Frühjahrsexkursion 2020

Frankfurt, Kronberg, Bad Nauheim

Es sind noch Anmeldungen zur Frühjahrsexkursion möglich! Am Samstag, 16 Mai, geht es nach Frankfurt in die Schirn (Ausstellung “Fantastische Frauen”), nach Kronberg (Braun Design-Sammlung) und Bad Nauheim (Jugendstilarchitektur). Anmeldungen bitte schriftlich oder per E-Mail an Erich Henrich

Blick in die Ausstellung “Fantastische Frauen” in der Frankfurter Schirn (bis zum 24. Mai) ©Schirn, Esra Klein

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Herbstexkursion 2019

Rhein/Basel/Dornach

Die diesjährige Herbstexkursion führte mehr als 30 Mitglieder und Gäste der Kulturinitiative Leo Grewenig Ende Oktober in den Raum Basel. An zwei Tagen erkundeten die Teilnehmer zunächst das Architektur-Ensemble auf dem „Vitra Campus“ in Weil am Rhein, anderntags das Kunstmuseum Basel und das Goetheanum in Dornach im Kanton Solothurn, rund zehn Kilometer südlich von Basel. Organisiert vom ersten Vorsitzenden des Vereins Erich Henrich umfasste das Programm damit weitere Facetten des kunst- und zeitgeschichtlichen Hintergrunds des Künstlers Leo Grewenig. Das Firmenareal des Möbelherstellers Vitra in Weil am Rhein vereint Fabrikations-, Logistik- und Verwaltungsbauten des Unternehmens ebenso wie das Vitra Design Museum,  Veranstaltungsräume, das Schaudepot der Firma mit einer umfassenden Sammlung zur Geschichte des Stuhldesigns  und das als Präsentationsraum und Besuchercenter konzipierte Vitra Haus. In einer mehr als zweistündigen Führung lernte die Bergsträßer Besuchergruppe nicht nur die öffentlich zugänglichen Teile des Areals kennen, sondern sie konnte auch die architektonisch ambitionierten Gewerbehallen auf dem Werksgelände aus der Nähe, zum Teil auch im Innern betrachten. Seit einem Brand im Jahr 1981 war das inzwischen in dritter Generation geführte Familienunternehmen Vitra bemüht, Neu- und Erweiterungsbauten von fortschrittlichen Architekten planen zu lassen. Folgte man anfangs einem Masterplan, der alle Gebäude auf dem Gelände im Sinne einer einheitlichen Corporate Identity verstanden wissen wollte, gab der damalige Firmenchef Rolf Fehlbaum dann einem pluralistischen Konzept den Vorzug. Zum Zuge kamen innovative Architekten, die in der Regel aber noch völlig unbekannt waren. So war 1993 das heute als wegweisend bezeichnete Feuerwehrhaus der erste ausgeführte Bau der später weltberühmt gewordenen irakischen Architektin Zaha Hadid. Bei der Begehung der heute  als Museum genutzten Feuerwache konnten sich die Exkursionsteilnehmer einen Eindruck von der auch innen “aus dem Lot geratenen” Architektur und ihrem Einfluss auf die menschliche Wahrnehmung verschaffen. Die Vielfalt von zeitgenössischen Architekturen auf dem großen, von alten Kirschbäumen bestandenen Gelänbde umfasst außerdem Bauten von Nicholas Grimshaw, Tadao Andō, Álvaro Siza, Herzog & de  Meuron und dem japanischen Architektenbüro SANAA. Das Vitra Design Museum in einem 1989 von Frank O. Gehry gebauten Gebäude zeigte den Exkursionsteilnehmern mit der Ausstellung „Objekt der Begierde – Surrealismus und Design 1924 – heute“, welche befreiende und befruchtende Wirkung das von strenger Rationalität befreite Denken der Surrealisten auch auf  die Architektur hatte. Nach einer Übernachtung in Lörrach und gemeinsamem Abendessen in einem Brauereigasthof  galt am nächsten Morgen ein kurzer Besuch dem Kunstmuseum Basel, das die größte öffentliche Kunstsammlung der Schweiz umfasst. Im Zentrum des Interesses stand einerseits das neoklassizistische Museumsgebäude aus den 1930er Jahren von Paul Bonatz  und Rudolf Christ und der moderne Erweiterungsbau des Jahres 2016. Eine Führung durch die Bildersammlung beschränkte sich auf die Meisterwerke der Klassischen Moderne und beleuchtete auch die Sammlungsgeschichte als solche. Ganz gegensätzlich zu der von strenger Geometrie beherrschten Architektur des Vitra Areals zeigte sich anschließend das betont organisch gestaltete Goetheanum mit den umliegenden Gebäuden. Der zentrale Bau – Sitz und Tagungsort der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft und der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft – wurde als Theaterbau in den 1920er Jahren aus Sichtbeton errichtet, nachdem 1923 ein hölzernes Vorgängergebäude durch Brandstiftung zerstört worden war.  Maßgeblich entworfen von Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, verzichtet das Gebäude weitgehend auf rechte Winkel und orientiert sich an Naturformen. Mit den etwa zeitgleichen Entwicklungen am Bauhaus hat das Goetheanum die  Experimentierfreude gemein, aber auch den esoterischen Ansatz, den auch Bauhäusler wie Kandinsky oder Itten verfolgten. In der Führung durch das fast 40 Meter hoch aufragende Gebäude konnte die Bergsträßer Gruppe den etwa 1000 Personen fassenden großen Saal mit seinen bunt leuchtenden Fenstern und einer farbig gestalteten Kuppel betreten.

Teilnehmer der Herbstexkursion 2019 vor der Glaserei in Dornach, Foto: klg-bergstrasse, CC BY-ND 4.0
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Herbstexkursion 2018

Fahrt nach Frankfurt und zum Glauberg

Die diesjährige Herbstexkursion war wie immer von Erich Henrich geplant worden. Dieses Mal hatte er thematisch scheinbar so weit auseinanderliegende Ziele ausgewählt wie die Vasarely-Retrospektive im Frankfurter Städel und das archäologische Museum und Forschungszentrum “Keltenwelt am Glauberg” im Wetteraukreis. Victor Vasarely (1906–1997), ein Hauptvertreter der Op-Art, war wie Leo Grewenig während seiner Ausbildung vom Bauhaus beeinflusst worden – er hatte am “ungarischen Bauhaus” studiert, der Schule für Werbegrafik „Mühely“ (Werkstatt) von Sándor Bortnyik. Am Keltenmuseum wiederum galt die Aufmerksamkeit der KLG-Gruppe zunächst der kühnen Architektur des Museums, einem mehrfach prämierten kubischen Baukörper mit rechteckigem Grundriss, der mit großen Platten aus rostendem und zugleich äußerst robustem Corten-Stahl verkleidet ist und weit in die Landschaft hinein ragt.

Bei der in zwei Gruppen organisierten Führung durch die Frankfurter Ausstellung begegneten die gut 40 Teilnehmer auch den weithin unbekannten frühen Werken des vor allem durch seine in Massenauflagen erschienenen, bewusst für ein breites Publikum konzipierten Arbeiten berühmten ungarischen Künstlers, der als Werbegrafiker unter anderem die Logos der Automobilmarke Renault und der olympischen Spiele 1972 in München entwarf.

Aus den Anregungen des Bauhauses zog Vasarely künstlerische Folgerungen, die denen von Leo Grewenig diametral entgegengesetzt scheinen. Während Grewenigs freies, abstraktes Fabulieren von Ferne manchen Arbeiten Paul Klees ähneln mag, sind die Arbeiten des stark von seinem Landsmann, dem Bauhauskünstler László Moholy-Nagy, beeinflussten Vasarely einem strengen, von ihm selbst entwickelten Regelwerk verpflichtet: Aus seinem “plastischen Alphabet”, dessen Elemente aus jeweils zwei Formen – etwa einem Kreis in einem Quadrat – und zwei kontrastierenden Farben – etwa Rot und Grün – bestehen, schuf er in unendlichen Abwandlungen optisch bewegt erscheinende, als räumliche Illusion wirkende Kompositionen. Diese seriellen Arbeiten verleugnen jede persönliche Handschrift und wurden konsequenterweise wie in einer Manufaktur nach Entwürfen des Meisters hergestellt.

Herbstexkursion der Kulturinitiative Leo Grewenig am Museum Keltenwelt am Glauberg, 20. Oktober 2018, Foto: KLG-Bergstrasse, CC by 4.0

In der etwa 40 Kilometer nordöstlich von Frankfurt gelegenen “Keltenwelt am Glauberg” setzten sich die Exkursionsteilnehmer mit  dem Entwurf von Klaus Kada und Gerhard Wittfeld in Zusammenarbeit mit dem Büro Club L94 Landschaftsarchitekten auseinander. Direkt am Ort einer der spektakulärsten archäologischen Entdeckungen der vergangenen Jahre wurde 2011 ein Museum eröffnet, das mit einer komplett verglasten Fensterfront wie ein riesiges Fernglas auf das am Hang unterhalb liegende Freigelände gerichtet ist. Das Museumsgebäude ist durch seine geometrische Form deutlich als in Eingriff in die Umgebung kenntlich gemacht und fügt sich durch die lebendige bräunliche Färbung des Corten-Stahls doch harmonisch in die Natur ein, befanden die Exkursionsteilnehmer.

Hier waren 1987 die Spuren einer kreisrunden Grabenanlage, Relikte eines Grabhügels und ein weiteres Grab gefunden wurden, die sich als Teile eines wohl etwa 30 Hektar großen keltischen Kultplatzes entpuppten. Die bekanntesten Fundstücke sind die Reste dreier etwas überlebensgroßer Sandsteinstatuen, von denen eine noch fast unversehrt erhalten geblieben ist, ebenso wie auch einige wertvolle Grabbeigaben, die alle im Museum aufbewahrt werden und der Bergsträßer Gruppe in einer Führung nahegebracht wurden.

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Frühjahrsexkursion 2018

Saarbrücken

Das  “Museum ist ein Ort der Debatte, des Diskurses, wo wirklich nicht einfach ein Konsens gesucht wird” – so steht es auf der Boden vor dem Eingang der Modernen Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken. Der Satz stammt aus der zum Teil heftigen Kontroverse, die um den Neubau des Museums geführt wurde und ist mit einer schier unüberschaubaren Zahl von weiteren Zitaten aus der Diskussion in einem fortlaufenden Band zu lesen, nicht nur auf der das Haus umgebenden Fläche, sondern auch auf den Außenwänden. Das kubische Gebäude-Ensemble der Modernen Galerie des Saarlandmuseums in Saarbrücken galt mit seiner in die Stadtlandschaft eingebundenen, modulhaften Architektur seit der Eröffnung in den 1960er-Jahren geradezu als eine Ikone des Museumbaus im Nachkriegsdeutschland. Die in diesem Jahrtausend geplante Erweiterung geriet zum Desaster, das Politik und Öffentlichkeit jahrelang in Atem hielt und unter anderem explodierende Kosten, Fälle von Veruntreuung und Korruption, einen gefeuerten Museumsdirektor, zwei parlamentarische Untersuchungsausschüsse und eine Bürgerinitiative gegen die erforderliche Opferung einer Grünfläche in der Stadtmitte mit sich brachte. Im November 2017 konnte jedoch der neue Anbau endlich eröffnet werden.

Das Saarlandmuseum in Saarbrücken. Foto: KLG-Bergstraße, CC BY-ND 4.0

Jetzt führte die Frühjahrsexkursion der Kulturinitiative Leo Grewenig (KLG) mit rund 30 Teilnehmern nach Saarbrücken. Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums besitzt durch eine Schenkung der Erben des Künstlers etwa 170 Werke des 1991 in Bensheim gestorbenen Leo Grewenig. Eines davon, \”Winterlandschaft mit Schlittenfahrern\” aus dem Jahr 1925, ist als Teil der ständigen Ausstellung zwischen zwei Arbeiten von Karl Hofer und Otto Dix zu sehen. Schon 1975 hatte es im Saarlandmuseum eine große Retrospektive des Künstlers gegeben. Auf Vermittlung von Waltrud Hölscher, der Tochter Leo Grewenigs,  führte Dr. Roland Mönig, seit 2013 Museumsleiter und zugleich Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, die Bergsträßer Gruppe durch die Sammlungen. Er erläuterte auch das architektonische Konzept, durch das in Kooperation des Architekturbüros Kuehn Malvezzi mit dem Künstler Michael Riedel das Vorhaben des Erweiterungsbaus zu einem guten, weithin akzeptierten Ende fand.

Die Freiflächen zwischen den Baukörpern sind betont und verschränken das Museum mit der Stadt. Das Museum, so schon der gestalterische Gedanke der 1960er-Jahre, tritt als skulpturaler Körper in Dialog mit der umgebenden Landschaft. Michael Riedel hat den Außenraum mit einer rund 4.000 m² großen Arbeit gestaltet. Es ist ein Boden voller Buchstaben und Textbänder, die sich hoch über die Wände ziehen: das Protokoll einer Landtagsdebatte über das Museum.

Teilnehmer der Exkursion in einer temporären Installation im Saarlandmuseum. Foto: KLG-Bergstraße, CC BY-ND 4.0

Im Innern warteten auf die Exkursionsteilnehmer sehr großzügig gestaltete, lichtdurchflutete Räume mit reizvollen Blicken ins Grüne – vor allem aber mit einer Auswahl hochkarätiger Kunstwerke, die von einer außergewöhnlichen Sammlungsgeschichte zeugen. Die grenznahe Lage Saarbrückens, die starke Beeinflussung durch französische und deutsche Strömungen zugleich sowie nach dem Zweiten Weltkrieg die Konzeption des Saarlands als zunächst autonomes Staatsgebilde prägen die reichen Bestände vom Impressionismus bis zur Gegenwart. Schwerpunkte bilden die Berliner Secession und der deutsche Expressionismus, aber auch die Kunst der École de Paris und des Informel. Nicht zuletzt befinden sich in Saarbrücken viele Werke des Bildhauers Alexander Archipenko, der das Saarlandmuseum zum Erben seiner Gipsmodelle eingesetzt hatte.

Der Erweiterungsbau ermögliche es nun, auch aktuelle Kunst zu sammeln und zu zeigen, erklärte Dr. Roland Mönig. Jetzt könne man auch den neuen Großformaten und dem digitalen Zeitalter gerecht werden. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür bekamen die Bergsträßer mit der temporären Raumgestaltung der amerikanischen Künstlerin Pae White , die sie eigens zur Wiedereröffnung der Modernen Galerie realisierte. Die flächige Gestaltung der Böden, Decken und Wände und die raumdurchschneidende Anordnung von farbigen Wollfäden in dem viele Meter hohen Erweiterungsbau erforderte eine präzise Planung mit digitalen Mitteln.

Ein Denkmal ganz anderer Art besuchte die Gruppe im zweiten Teil der vom ersten Vorsitzenden der KLG Erich Henrich organisierten und geleiteten Exkursion: Die nahe bei Saarbrücken gelegene UNESCO-Weltkulturerbestätte „Völklinger Hütte“, 1873 gegründet und 1986 stillgelegt, zeugt als einzigartiges, noch im Originalzustand erhaltenes Eisenwerk von der Geschichte der industriellen Roheisenerzeugung.

Führung Völklinger Hütte Foto: KLG-Bergstraße, CC BY-ND 4.0
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Herbstexkursion 2017

Dessau

Was wäre gewesen, wenn Leo Grewenig in den 1920er-Jahren das Angebot des großen Bauhaus-Meisters Wassily Kandinsky angenommen hätte, und nach seiner eigenen Ausbildung am Bauhaus in Weimar mit der berühmten Schule nach Dessau umgezogen wäre – als Leiter der Klasse für Wandmalerei? Stattdessen entschied Grewenig sich für die freie Kunst und schließlich für eine Ausbildung zum Kunstpädagogen, als der er zunächst zurück in seine saarländische Heimat und schließlich an die Bergstraße kam – die Beziehung zwischen ihm und seinen hiesigen Schülern beleuchtete vor wenigen Wochen erst eine Ausstellung der Kunstfreunde Bergstraße im Damenbau des  Fürstenlagers.

Wenn auch Leo Grewenig selbst einst dem Bauhaus den Rücken kehrte, so bestehen doch heute wieder Verbindungen zu dem 1933 geschlossenen Institut, das inzwischen zu den Welterbestätten der UNESCO zählt. Vor einigen Jahren schenkte Waltrud Grewenig-Hölscher im Namen der Erbengemeinschaft den Sammlungen der Stiftung Bauhaus Dessau etwa 50 Bilder des Vaters. Im restaurierten Meisterhaus Wassily Kandinsky in Dessau gab es im Sommer 2011 eine Ausstellung mit Grewenig-Werken, zu der Erich Henrich, Vorsitzender des Vereins Kulturinitiative Leo Grewenig, die Einführungsrede hielt.

Nun führte die diesjährige, von Erich Henrich organisierte Herbst-Exkursion ans Bauhaus nach Dessau. Die 25 Teilnehmer wurden von Wolfgang Thöner, dem Leiter der Sammlungen, begrüßt und durch das von Walter Gropius 1925/26 entworfene Bauhaus-Gebäude begleitet. Deutlich wurde, wie begierig am Bauhaus damals technische Neuerungen aufgegriffen wurden – nicht nur die neue Bautechnik mit Stahlträgern und die Möglichkeit, große durchgehende Glasflächen anzufertigen, verschafften gestalterische Freiheit, sondern Gropius orientierte sich auch an in der Industrie verwendeten Bauteilen wie speziellen verstellbaren Fenstern. Vieles von dem, was als “typisch Bauhaus” bekannt wurde, wurde hier zwar nicht erfunden, aber erstmals ästhetisch aufgegriffen und im Sinne einer sich als Gesamtkunstwerk verstehenden Architektur angewendet, die von allen Seiten gleichwertig zu betrachtende Baukörper mit zurückgenommener Betonung hierarchischer Strukturen schuf . Die besondere Stellung des Bauhauses als – nicht von allen Seiten willkommen geheißenem – Vermittler zwischen Handwerk und industrieller Fertigung wird in Dessau derzeit in einer temporären Ausstellung thematisiert. Diese stand ebenso auf dem Exkursionsprogramm wie ein Besuch der restaurierten, einst ebenfalls von Walter Gropius entworfenen Meisterhäuser und ein Rundgang durch die Siedlung Dessau-Törten mit Beispielen für die Ideen von Walter Gropius und seinem Nachfolger am Bauhaus, Hannes Meyer. Es ging um die Lösung städtebaulicher und sozialer Probleme durch kostengünstigen Massenwohnbau, der sowohl den Gedanken der Selbstversorgung als auch des gesunden und komfortablen Wohnens gerecht werden sollte – in Wohnungen und Häusern, die oft  weniger als 50 Quadratmeter Wohnfläche boten. Deutlich wurde  bei der Besichtigung zum Teil noch im Original erhaltener Wohnungen auch der experimentelle Charakter der Planungen. Die einzelnen Bautypen mussten zum Teil noch während der Ausführung in Bauabschnitten verändert werden, nicht nur wegen vereinzelter architektonischer Unzulänglichkeiten, sondern auch wegen der fortschreitenden Inflation.

Beim Abendessen lernten die Exkursions-Teilnehmer schließlich auch noch die von Carl Fieger, einem Mitarbeiter von Gropius, der ebenfalls am Bauhaus tätig war, an der Elbe 1929/30 errichtete Gaststätte “Kornhaus” kennen, die den Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstand, auch in der DDR als Gaststätte betrieben wurde und noch über viele originale Ausstattungselemente verfügt.

Im nahe Dessau gelegenen Wörlitz mit seinen – ebenfalls auf der Liste der UNESCO-Welterbestätten verzeichneten – Schloss- und Gartenanlagen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es Gelegenheit, das aufklärerische, um Reform bemühte Wirken des Erbauers, Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau zu studieren. In Zusammenarbeit mit seinem Freund Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff schuf er mit seinem Sommersitz ein Ensemble, das das Schöne mit dem Nützlichen verbinden sollte und zur Belehrung der Bevölkerung von Anfang an für jedermann zugänglich war. Ähnlich dem Bauhaus später war auch Leopold III. technischen und vor allem praktischen, raumsparenden Ideen zugetan – in seinem Schloss finden sich nicht nur in den Wänden versenkbare Fensterläden, Betten und Schränke, sondern auch ausgefeilte Einrichtungen etwa zum Händewaschen direkt im Speisesaal.

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Frühjahrsexkursion 2017

Pfalz

Zu ihrer diesjährigen Frühjahrsexkursion lädt die Kulturinitiative Leo Grewenig e.V. in die Pfalz ein. Am Samstag, dem 6. Mai geht es mit dem Bus zunächst nach Edenkoben zu einer Führung durch die Villa Ludwigshöhe, dem ehemaligen Sommersitz König Ludwigs I. von Bayern. Der klassizistische Bau wurde 1846 nach den Plänen des Architekten Friedrich Wilhelm von Gärtner begonnen und nach dessen Tod von Leo von Klenze vollendet. Die Wandmalereien im pompejanischen Stil von Joseph Schwarzmann sind bis heute erhalten. Das Schloss Villa Ludwigshöhe wird heute für die Aufführung von Konzerten genutzt und beherbergt die vom Landesmuseum Mainz wissenschaftlich betreute Max-Slevogt-Galerie mit 130 Werken. Daneben werden wechselnde Ausstellungen von Gemälden veranstaltet. Auch die aktuelle Sonderausstellung „Ars phantastica“ steht auf dem Programm der Exkursion, das daneben Führungen zum Schloss und seiner Baugeschichte und durch die Slevogt-Sammlung vorsieht.

Nach der Mittagspause fährt der Bus nach Hauenstein zum Deutschen Schuhmuseum, in dem es um die Entwicklung der Schuhindustrie in der südwestlichen Pfalz geht. Auf vier Stockwerken wird in einer ehemaligen Schuhfabrik neben technischen Aspekten der Herstellung von Schuhen auch die Sozial- und Alltagsgeschichte gezeigt. Das Deutsche Schuhmuseum Hauenstein stellt – was seine Architektur angeht – im südwestdeutschen Raum eine Besonderheit dar. Im großen Metropoldreieck Karlsruhe – Mannheim – Saarbrücken ist das Gebäude, das seit 1930 eine Schuhfabrik beherbergte, eines der wenigen gewerblichen Gebäude, das nach den Grundsätzen der Bauhaus-Philosophie errichtet wurde. Die Sachlichkeit und Klarheit des Kubus („eine wunderschöne weiße (Schuh-)Schachtel“) wurde 1929 von dem Gropius-Schüler Josef Uhl aus Pirmasens als das damals modernste Fabrikgebäude in Hauenstein errichtet. Die Fassade des denkmalgeschützten Bauwerks wurde beim Umbau zum Museum unter Einhaltung denkmalpflegerischer Vorgaben repräsentativ gestaltet. Im Anschluss an die Führung durch das Schuhmuseum ist eine Weinprobe mit Abendessen im Weingut Schunck in Leinsweiler geplant.

Abfahrt ist um 8.30 Uhr am Bensheimer Busbahnhof, bei der Rückfahrt ist die Ankunft am Busbahnhof gegen 20 Uhr vorgesehen. Die Kosten betragen 75,- € pro Person für Nicht-Mitglieder des Vereins, darin inbegriffen sind Fahrtkosten, Eintrittsgelder, drei Führungen und die Weinprobe mit Abendessen.

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Herbstexkursion 2016

Metz

Die Fahrt führte nach Metz in das dortige Centre Pompidou zu einer Sonderausstellung der Werke Oskar Schlemmers (“Oskar Schlemmer – Tanz und Theater”) mit anschließender Stadtrundfahrt und einer Besichtigung der gotischen Kathedrale.