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Hochkarätige Architektur und zwei bedeutende Kunstsammlungen in Schweinfurt

Die diesjährige Herbstexkursion führte 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kulturinitiative Leo Grewenig (KLG) Ende November nach Schweinfurt, wo der Besuch von zwei hochkarätigen Bauten und zwei außergewöhnlichen Kunstsammlungen auf dem Programm stand.

Die erste Station bildete am Vormittag das Museum Georg Schäfer, das eine der bedeutendsten Sammlungen der Malerei des 19.Jahrhunderts beherbergt, die von dem Schweinfurter Großindustriellen Georg Schäfer ab den 1950er Jahren angelegt wurde. Neben den wichtigsten Strömungen der Kunst des 19. Jahrhunderts enthält sie das weltweit größte Konvolut an Bildern des Biedermeier-Malers Karl Spitzweg.

Schon 1964 hatte der Bauhaus-Architekt Ludwig Mies van der Rohe einen Entwurf für einen Museumsneubau vorgelegt, der aber in Schweinfurt nicht verwirklicht wurde, weil der Stadtrat die Unterhaltskosten für das Museum nicht übernehmen wollte. Der Entwurf von Mies van der Rohe sah einen quadratischen Stahl- und Glas-Pavillon vor, welcher kurze Zeit später der Konzeption der Neuen Nationalgalerie in Berlin als Vorbild diente.

Erst im Jahr 2000 realisierte der Berliner Architekt Volker Staab den heute bestehenden Museumsbau. Er gehört zu den wichtigsten Ausstellungsbauten der Gegenwart. Im Jahr 2008 wurde er vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt und 2011 von der Zeitschrift Merian in die Liste der zweihundert Höhepunkte deutscher Kulturreisziele aufgenommen.

Volker Staab setzte mit dem Ensemble einen starken städtebaulichen Akzent. Die Treppenhalle, nach dem Vorbild der Alten Pinakothek in München gestaltet, schließt zwei Loggien am Nord- und Südeingang zu einer öffentlich begehbaren Achse zusammen und ist Teil einer Platz-, Freitreppen- und Hofabfolge, welche die Altstadt mit der Mainbrücke verbindet. Dem Architekten ist es hier gelungen, „Tradition und Moderne auf das Vortrefflichste zu vereinen“, wie es in der Begründung des Deutschen Architekturmuseums heißt.

In zwei exzellenten Führungen erhielten die Teilnehmer der Fahrt sowohl einen intensiven Einblick in die Architektur des Hauses als auch in die ständige Sammlung. Wegen der hohen Qualität und der Fülle der Kunstwerke konnte die aktuelle Sonderausstellung „Meisterwerke deutscher Zeichenkunst im 19.Jahrhundert“ leider nur gestreift werden.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen bildete die Kunsthalle Schweinfurt die zweite Station der Fahrt.

Entstanden ist die Kunsthalle Schweinfurt im Jahr 2009 durch den Umbau eines ehemaligen Schwimmbads, das der Industrielle Ernst Sachs der Stadt Schweinfurt im Jahr 1927 gestiftet hatte. Der schlichte, im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtete Bau, erinnert an eine Klosteranlage mit Kreuzgang, Kirchenschiff und Refektorium. 1944 wurde das Bad durch Luftangriffe schwer beschädigt, so dass es zeitweise geschlossen werden musste.

Der Umbau vom Bad zur Kunsthalle erfolgte 2006-2007. Heute beherbergt die Kunsthalle eine Dauerpräsentation von Werken zur Kunst nach 1945, die in ihrer Qualität und Vielfalt fast einzigartig in Deutschland ist. Wechselausstellungen ergänzen die ständige Sammlung.

Auch in der Kunsthalle Schweinfurt gewannen die Exkursionsteilnehmer in zwei parallelen Führungen interessante und vielfältige Einblicke sowohl in die Architektur als auch in die aktuelle Ausstellung der Künstler Herbert Zangs (1924-2003) und Hubert Berke (1908-1979), die beide in der informellen Kunst der 50er und 60er Jahre eine wichtige Rolle spielten. Herbert Zangs, der 1978 auf der Documenta 6 vertreten war, gilt mit seinen „Verweißungen“ von Fundstücken und Dingen des Alltags als Pionier der Monochromie. Hubert Berke, einer der letzten Schüler von Paul Klee an der Düsseldorfer Kunstakademie, verfeinerte vor allem die Technik der Monotypie und changierte erfinderisch zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.

Besonders interessant für die Besucher aus Bensheim war der Hinweis einer Führerin, dass sich auch ein Bild von Leo Grewenig in der Sammlung der Kunsthalle Schweinfurt befindet, das aber leider nicht ausgestellt ist.

Obwohl ein Teil der Dauerpräsentation wegen eines Ausstellungsumbaus nicht gezeigt werden konnte, waren die Teilnehmer der Exkursion einhellig der Meinung, dass sich die etwas längere Busfahrt nach Schweinfurt auf jeden Fall gelohnt hat und dass sie bleibende Eindrücke mit nach Hause genommen haben.

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Ausstellungen Schwarzes Brett

Leo Grewenig im Bauhaus Dessau

Zwei Gemälde aus dem Jahr 1960 und zwei Objekte aus der Studienzeit Leo Grewenigs werden demnächst in einer Ausstellung im Bauhaus Dessau gezeigt.

Große Deckeldose, 1924/1925 © (Grewenig, Leo) Hölscher-Grewenig, Waltrud / Foto: Binsack, Gunter, 2023

Unter dem Titel „Bakelit-Glasur-Farbe – Geschenke an das Bauhaus Museum“ werden ab dem 5. Dezember 2025 und noch das ganze Jahr 2026 über (bis Ende Januar 2027!) Es werden ausgewählte Stücke gezeigt, die die Stiftung seit der Eröffnung des Museums 2019 erhielt. Das ist eine gute Gelegenheit, Leo Grewenig im Zusammenhang mit anderen Schülern des Bauhauses kennenzulernen. Insbesondere die Objekte aus der Studienzeit dürften nur wenigen bekannt sein!

Pentagonale Schachtel mit Deckel, 1924/25 © (Grewenig, Leo) Hölscher-Grewenig, Waltrud / Foto: Binsack, Gunter, 2023
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Exkursionen Schwarzes Brett

Exkursion nach Schweinfurt

am 22. November

Ab sofort läuft die Anmeldefrist für unsere Herbstexkursion, bei der wir zwei Beispiele herausragender Museumsarchitektur und die darin beherbergten Sammlungen kennenlernen.

Das Museum Georg Schäfer gehört zu den wichtigsten Museumsneubauten der Gegenwart und wurde 2011 in die Liste der 200 Höhepunkte deutscher Kultur-Reiseziele aufgenommen. Es ist ein Hauptwerk des Berliner Architekten Volker Staab. 2008 wurde das Ensemble vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main zu den 24 besten Bauwerken Deutschlands gekürt. Spezialisiert auf die Malerei des 19. Jahrhunderts beherbergt es die größte Spitzweg-Sammlung der Welt und die bedeutende Privatsammlung des Schweinfurter Industriellen Dr. Georg Schäfer. Die Präsentation ermöglicht eine neue Sicht auf das 19. Jahrhundert und dessen Wegweiser-Funktion für die Kunst wie auch für die gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Die Abfolge der Themenkreise wird durch einige Hauptwerke der Künstlergruppe ZERO der 1960- 80er Jahre unterbrochen, die an den im Jahr 2019 verstorbenen Großneffen Georg Schäfers, den ZERO-Sammler Dr. Hans Burchard von Harling, erinnert.

Museum Georg Schäfer, Foto: Tilman2007 via Wikimedia cc by-sa 3.0

Ein weiterer Höhepunkt der Fahrt wird der Besuch der Schweinfurter Kunsthalle in einem im Jahre 1927 im Stil der Neuen Sachlichkeit erbauten Hallenschwimmbad sein, das im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und 2006/07 zur Kunsthalle umgebaut wurde. Dabei blieb das äußere Gebäude unverändert. Kernstück der Kunsthalle ist die einstige Schwimmhalle im Erdgeschoss mit einer Raumhöhe von rund 11 Metern. In der Kunsthalle ist im November eine Ausstellung mit Werken von Herbert Zangs (1924-2003) und Hubert Berke (1908-1979) zu sehen, beides namhafte Vertreter der gegenstandslosen Kunst.

Kunsthalle Schweinfurt, Foto: SimonCiminski via Wikimedia cc by-sa 3.0

In jeweils zwei parallelen Führungen erhalten die Exkursionsteilnehmer sowohl einen Einblick in die Architektur als auch in die Dauerpräsentationen und die aktuellen Ausstellungen.

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Exkursionen Schwarzes Brett

Exkursion nach Bad Münster am Stein und Museum Ernst

Bei bestem Exkursionswetter erlebten 36 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstag, 17. Mai, eine ästhetisch beeindruckende Exkursion, die die Schwerpunkte moderne Architektur und Malerei des 20. Jahrhunderts vereinte.

Mit Tadao Andō (geb. 1941) und Fumihiko Maki (1928-2024) prägen zwei japanische Architekten die Museumslandschaft in Deutschland, die jeweils nur wenige Bauten in Europa errichtet haben.

Zwei Gebäude von Tadao Andō konnten Exkursionsteilnehmer der KLG in der Vergangenheit bereits kennenlernen – das Gebäude für die Langen-Foundation Hombroich (erbaut 2004) und das Konferenzgebäude auf dem Vitra-Gelände in Weil am Rhein (fertiggestellt 1993). Nun kam mit dem Steinskulpturenmuseum der Fondation Kubach-Wilmsen in Bad Münster am Stein (2010) das wohl kleinste Museumsgebäude hinzu, das aber zu den Lieblingsobjekten des Architekten zählt und auch in der jüngsten Monographie über sein Werk prominent vertreten ist, wie bei der Führung durch die Tochter und den Schwiegersohn des Steinbildhauerpaares Kubach-Wilmsen zu erfahren war.

Die beiden stellten der Gruppe die konsequent minimalistische Architektur vor und führten auch in das Werk der Bildhauer ein, das beide in gemeinsamer Arbeit mit eigenen Werken fortsetzen. Die Führung galt auch der aktuellen Sonderausstellung im Museum mit 15 Arbeiten zeitgenössischer Steinbildhauerinnen und -bildhauer.

Eine Besonderheit bei diesem kleinen Museumsbau ist die Verwendung des Fachwerks einer alten Scheune, die der Architekt in seine strenge Architektur aus gleichförmigen Sichtbetonplatten integrierte. Dennoch blieben wesentliche Merkmale seiner Werke auch hier erhalten, wie die indirekte Wegführung ins Innere, die Öffnung weniger großer Fenster und Durchblicke und die bewusste Anbindung an die Umgebung, die für eine meditative Ruhe in seinen Gebäuden sorgen.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen fuhr die Gruppe mit dem Bus weiter nach Wiesbaden in das oft liebevoll „Zuckerwürfel“ genannte Museum der Reinhard & Sonja Ernst Stiftung, dessen Fertigstellung, nicht aber Einweihung der Architekt noch kurz vor seinem Tod erleben konnte.

Fumihiko Maki war ein langjähriger Freund des Sammlers Reinhard Ernst. Die Gebäude des Japaners stehen auf der ganzen Welt, beispielsweise das Four World Trade Center in New York. Für die Sammlung mit Schwerpunkten auf der abstrakten europäischen Nachkriegskunst, der abstrakten japanischen Kunst und des amerikanischen Abstrakten Expressionismus schuf Maki ein Gebäude mit einer Raumhöhe von bis zu 14 Metern, das den Kunstwerken viel Luft und Raum lässt. Mit Sorgfalt verwendet die Architektur einen speziellen weißen Granit aus den USA, der an den Ecken aus dem Vollen gefräst ist, um Kantenfugen zu vermeiden. Das Material wird sichtbar vom Außenbau in den Innebau hinein geführt.

Bei der aktuellen Sonderausstellung lernten die Teilnehmenden der Exkursion das Werk von Helen Frankenthaler (1928-2011) kennen. Als Pionierin des Abstrakten Expressionismus führte sie neue künstlerische Ansätze ein, die von den männlichen Kollegen aufgegriffen wurden. So schüttete sie verdünnte Farbe auf ungrundierte, lose Leinwand, die auf dem Boden lag, und entwickelte damit die sogenannte Soak-Stain-Technik. Die Sammlung Ernst umfasst 50 Arbeiten der Künstlerin, die die besondere Wertschätzung des Sammlers für Helen Frankenthaler kennzeichnen.

Hier waren Mitglieder des Vorstands gemeinsam kreativ: Klaus Bischoff und die Ehepaare Hölscher und Schroth machten von der Möglichleit im Museumsfoyer Gebrauch, digitale Kunstwerke zu erschaffen.
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Ausstellungen Schwarzes Brett

Eröffnet: Ausstellung Werner Pokorny

Mit vielen kunstinteressierten Gästen wurde gestern die Ausstellung mit Metallarbeiten von Werner Pokorny im Museum Heppenheim eröffnet. Ein Vortrag von Erich Henrich führte in das Werk des 2022 gestorbenen Künstlers ein. Hinweise zur Biografie des nach dem Abitur am Starkenburggymnasium unter anderem als Professor an der Kunstakademie Stuttgart Lehrenden, ergänzte der Redner mit einer ausführlichen Darstellung des künstlerischen Werdegangs Pokornys – von der Konstruktion mit organischem Material wie Holz hin zu den Metallarbeiten, namentlich den nun noch bis zum 8. Juni in Heppenheim ausgestellten Objekten aus Corten-Stahl, die sich mit der archaischen Form des Hauses auseinandersetzen.

Museumsleiterin Luisa Wipplinger dankte Erich Henrich für seine Initiative, Pokornys Werke nach Heppenheim zu holen, und der Kulturinitiative Leo Grewenig für die Unterstützung. Für die musikalische Umrahmung sorgten Rainer Michels (Saxofone) und Hans-Jürgen Boysen-Stern (Gitarre).

In der bewusst rein auf die Wahrnehmung der Objekte konzentrierten Präsentation hatten die Gäste der Vernissage Gelegenheit, sowohl die vielen Variationsmöglichkeiten der einfachen Form des Hauses nachzuvollziehen, wie auch die bei aller Beschränkung in den einzelnen Werken zur Wirkung kommende beeindruckende Dynamik und Ausdruckskraft von Winkel und Kreisform zu erleben.

Die Ausstellung „Werner Pokorny – Skulpturen“ läuft bis zum 8. Juni, geöffnet mittwochs, donnerstags und samstags sowie sonn- und feiertags jeweils von 14 bis 17 Uhr.

Führungen werden am Ostermontag (21. April) und am Sonntag, 18. Mail angeboten, jeweils um 15 Uhr.

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Ausstellungen Schwarzes Brett

Neue Ausstellung!

Werner Pokorny in Heppenheim

Unser Verein freut sich, Sie zu einer neuen, inspirierenden und schönen Ausstellung einladen zu können!

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Exkursionen Schwarzes Brett

Chipperfield in Künzelsau und Marbach

Mit 33 Teilnehmenden startete die diesjährige, dem Werk von David Chipperfield gewidmete Herbstexkursion der Kulturinitiative Leo Grewenig (KLG) am zweiten Novemberwochenende in nebliger Stimmung. Die Sonne sollte sich erst nachmittags in Marbach zeigen.

Einige Impressionen von der Fahrt:

Erstes Ziel war jedoch das Museum Würth 2 in Künzelsau, rund 500 Meter vom Hauptverwaltungssitz der Würth-Gruppe entfernt. Der schwäbische Schraubenhändler Reinhold Würth ist einer der reichsten Menschen der Welt und einer der bedeutendsten Kunstsammler, auch, was seine Inszenierung als Förderer der Kunst betrifft. Würth besitzt nicht nur die größte Kunstsammlung Europas, er stellt sie auch aus und zwar für jedermann zugänglich und kostenlos. Die Zahl der von Würth betriebenen Ausstellungshäuser wächst stetig. Den Anfang machte 1991 das Museum Würth in den Verwaltungsräumen der Adolf Würth GmbH & Co. KG. Inzwischen gibt es weitere Museen an den Firmensitzen in Dänemark, Österreich, Holland, Norwegen, Italien, Belgien, Frankreich und Spanien. 2017 wurde das vom britischen Star-Architekten David Chipperfield entworfene Carmen Würth Forum als Kongress- und Kulturzentrum direkt gegenüber der Firmenzentrale der Adolf Würth GmbH & Co. KG eröffnet – auf einer Fläche von 170 000 Quadratmetern mit einem Kammermusiksaal für 600 Personen, einem Saal für 2500 Personen und einem Außengelände für Veranstaltungen mit bis zu 10 000 Personen. Seit 2020 wurde der Komplex um einen Konferenzbereich und um ein Museum erweitert, geplant ebenfalls von David Chipperfield. Diesem Museum und dem die Gebäude umgebenden Skulpturengarten galt der erste Teil der Herbstexkursion.

Zwei parallele Gruppenführungen stellten einerseits die von Chipperfield bewusst „wie ein Gedankenstrich in die Landschaft gesetzte“ Architektur mit ihren zwar äußerst vereinfachten, doch unübersehbar von klassisch-antiken Traditionen geprägten Formen vor. Ein Rundgang führte auch durch die aktuelle, immer wieder modifizierte Ausstellung aus der umfangreichen Sammlung. Ein Highlight war das erst vor zwei Jahren aus Privatbesitz wieder aufgetauchte „Selbstbildnis gelb-rosa“, das Max Beckmann 1943 im Exil gemalt hatte. Im Dezember 2022 erwarb es Reinhold Würth mit einem anonymen Gebot über 20 Millionen Euro bei einer Versteigerung im Auktionshaus Villa Grisebach. Damit ist das knapp einen Meter hohe Ölbild das teuerste bislang in Deutschland versteigerte Gemälde.

Eindruck machte auch ein großer, den Riesenformaten von Anselm Kiefer gewidmeter Raum, der mit einer multimedialen Kabinettausstellung ergänzt wurde. Bisher weitestgehend unbekannt und nun erstmalig in diesem Umfang präsentiert waren hier illustrierte Berichte und Tagebücher von zwei Studienreisen Anselm Kiefers in den 1960er Jahren, mit überraschenden Perspektiven zur Persönlichkeit und künstlerischen Selbstfindung Kiefers.

Im Skulpturengarten begegnete die Gruppe unter anderem dem aktuellen Preisträger des von der Stiftung Würth ausgeschriebenen Robert-Jacobsen-Preises Ugo Rondinone. Der in New York lebende Schweizer Künstler präsentiert hier Kunstwerke in einer überraschenden stilistischen Bandbreite, von einem gigantischen Steinriesen über den Abguss eines uralten Olivenbaums bis zu einem grotesk wirkenden Kreis aus in Aluminium gegossenen fratzenhaften Köpfen, die zwölf Monate des Jahres symbolisierend.

Durch eine beeindruckend schöne Herbstlandschaft fuhr der Bus dann nach Marbach am Neckar, wo das ebenfalls von David Chipperfield geplante Literaturmuseum der Moderne seit dem Jahr 2006 die Bestände des Deutschen Literaturarchivs in Wechselausstellungen präsentiert. Aktuell allerdings findet sich hier provisorisch die alte Dauerausstellung des benachbarten Schiller-Nationalmuseums mit den „vier Schwaben“ – Schiller, Hölderlin, Kerner und Mörike. Das Schiller-Nationalmuseum ist zurzeit geschlossen und wird im Mai 2025 mit neuer Ausstellung wiedereröffnet. Anlässlich von Franz Kafkas 100. Todestag im Juni 2024 wird hier außerdem eine Sonderausstellung gezeigt, die Manuskripte, Briefe, Fotos und Erinnerungsstücke von Kafka mit Rezeptionsspuren seiner Literatur bis zur Gegenwart kombiniert. Deutlich wurden den Exkursionsteilnehmern die Schwierigkeiten bei der Präsentation der äußerst kleinteiligen, licht- und temperatur- und feuchtigkeitsempfindlichen Exponate. Der durch Dunkelheit und Kühle bedingten „Kelleratmosphäre“ begegnet die Architektur mit einer großen Raumhöhe und der teilweisen Öffnung zum Neckartal, über dem das ganze Gebäude mit seinem ähnlich klassisch wie in Künzelsau anmutenden Säulenumgang thront.

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Grewenig in Weimar

Am vergangenen Wochenende standen mehrere Werke aus dem Nachlass von Leo Grewenig (1898–1991) im Mittelpunkt des „Wochenendes der Grafik“ in den Museen der Klassik Stiftung Weimar.

Porträt Leo Grewenig
Leo Grewenig (1898-1991)

„Deutschlandweit laden Grafische Sammlungen alljährlich am zweiten Wochenende im November zum „Wochenende der Grafik“ ein. Dabei gibt es die seltene Gelegenheit, in ausgewählten Zeichnungen, Druckgrafiken und Fotografien der Aura des Originals nachzuspüren. Die Museen der Klassik Stiftung Weimar zeigten dieses Jahr am Samstag, den 9. November Werke des Bauhauskünstlers Leo Grewenig (1898–1991). Er studierte 1924/25 am Weimarer Bauhaus und wurde nachhaltig durch seine dortigen Lehrer László Moholy-Nagy, Paul Klee und Wassily Kandinsky geprägt. Sein primär figürliches Frühwerk unterstreicht die stilistische Vielfalt am frühen Bauhaus. Erst nach 1945 kam auch bei ihm die am Bauhaus gelernte abstrakte Bildsprache ganz zum Durchbruch. Die vorgestellten Werke sind Teil einer Schenkung seiner Tochter Waltrud Hölscher. Es sind ausgewählte Beispiele aus der jüngsten Zustiftung von Waltrud Hölscher. Nach ersten Schenkungen in den Jahren 1995 und 2004 gelangten über die Tochter des Künstlers 2024 nochmals 33 Werke aus allen Schaffensphasen Leo Grewenigs in den Bestand der Museen der Klassik Stiftung Weimar“, hieß es in der Vorankündigung der Museen.

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Exkursion: Chipperfield in Künzelsau und Marbach am 9. November

Die diesjährige Herbstexkursion steht ganz unter dem Zeichen der Architektur von David Chipperfield. Der britische Architekt und Pritzker-Preisträger Sir David Chipperfield (geb. 1953) gehört zu den führenden und weltweit bekanntesten Baumeistern unserer Zeit. Er betreibt Büros in London, Berlin, Shanghai, Mailand und Santiago de Compostella. In Deutschland bekannt geworden ist Chipperfield vor allem durch seine Bauten in Berlin (Grundsanierung der Neuen Nationalgalerie; James Simon Galerie/Eingangsbereich auf der Museumsinsel). David Chipperfield hat Architektur an Universitäten in Österreich, der Schweiz, Italien, Großbritannien und den USA gelehrt und war 2012 Kurator der Internationalen Architekturbiennale in Venedig. Die stilistische Haltung Chipperfields mit ihrer minimalistischen Formensprache resultiert sowohl aus einer intensiven Aneignung der klassischen Moderne als auch einer Beeinflussung durch die Antike und die zeitgenössische japanische Architektur.

Wir besuchen das 2017 als Teil des Carmen Würth Forum eröffnete Museum Würth 2 von David Chipperfield, das im Wechsel die Highlights der Sammlung mit dem Schwerpunkt auf dem ausgehenden 19., dem 20. und 21. Jahrhundert zeigt.

Auch das Literaturmuseum der Moderne in Marbach am Neckar wurde von David Chipperfield geplant. Der von 2002 bis 2006  errichtete Bau verschmilzt Motive klassischer Architektur, wie die eines Ringhallentempels mit modernen Elementen und Materialien wie Holz, Muschelkalk, Sichtbeton und Werkstein. Das Museum zeigt auf rund 1000 m2 zahlreiche Exponate aus den Beständen des Deutschen Literaturarchivs vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Das Museum ist gemeinsam mit dem Schiller-Nationalmuseum Teil der Literaturmuseen des Deutschen Literaturachivs.

Verbindliche Anmeldung bitte bis zum 22. September 2024

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Kunst von internationalem Format

im Museum Heppenheim

Finissage der Ausstellung „Felix Schramm – The Dew of Dust“

Am Sonntag, dem 16. Juni 2024 endete im Sonderausstellungsraum des Heppenheimer Amtshofs eine Ausstellung, die für zehn Wochen hochkarätige Kunst von internationalem Format ins Museum Heppenheim gebracht hatte. Zur Finissage der Ausstellung „The Dew of Dust“ des weltweit bekannten Bildhauers und Installationskünstlers Felix Schramm, die in einer Kooperation zwischen dem Museum Heppenheim und der Kulturinitiative Leo Grewenig konzipiert wurde, hatten zahlreiche Besucher den Weg in den Amtshof gefunden.

Finissage Felix Schramm
Reger Zuspruch bei der Finissage Felix Schramm im Museum Heppenheim. Foto: klg, CC by-SA 3.0

Der Künstler war anwesend und so konnten die Besucher die Intentionen und die Arbeitsweise von Felix Schramm „aus erster Hand“ erfahren. Der besondere Clou: für Schramm war die Ausstellung in Heppenheim fast ein „Heimspiel“, denn er hat in Heppenheim einen Teil seiner Schulzeit verbracht und 1990 am Starkenburg-Gymnasium sein Abitur abgelegt. Danach studierte er Bildhauerei an der Accademia di Belle Arti in Florenz und an der Kunstakademie Düsseldorf, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. Er erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. in Tokyo und in der Villa Massimo in Rom und hatte Einzelausstellungen im Palais de Tokyo in Paris, im San Francisco Museum of Modern Art und im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwartskunst in Berlin. Seine Werke sind in vielen bedeutenden in- und ausländischen Museen, Galerien und Sammlungen vertreten. Bekannt geworden ist Felix Schramm vor allem für seine teilweise monumental anmutenden Installationen aus Holz und Gipskartonplatten, die oft die Wände durchstoßen und sich von einem Raum zum nächsten entwickeln.

Bei der Finissage stellte die Museumsleiterin Luisa Wipplinger zunächst den Künstler vor und dankte ihm für die spontane Bereitschaft, im Heppenheimer Museum seine Werke auszustellen, wobei die Arbeiten von Felix Schramm nicht nur als Einzelobjekte zu betrachten sind, sondern immer in einem Gesamtzusammenhang eingebettet werden. Und so generierten die heterogenen Elemente, die der Künstler an den Wänden und im Raum des Heppenheimer Museums entwickelte, ein vielschichtiges Beziehungsgeflecht, dass der Betrachter im Gang durch die Ausstellung erleben konnte. Materialien fungierten dabei als Energieträger, Farb- und Formkorrespondenzen bildeten komplexe Raumbezüge und Sichtachsen.

In der Heppenheimer Präsentation waren es vor allem zwei unterschiedliche Werkkomplexe des Künstlers, die sog. dark sites und die accumulations, die miteinander verknüpft wurden und die vor allem durch die einheitliche Farbigkeit in Schwarz- und Gelb-Variationen miteinander korrespondierten. In dieser konsequenten Kombination waren die beiden Werkgruppen bisher noch nie zu sehen – und so war die Ausstellung in Heppenheim für den Künstler und das Publikum auch eine Premiere. In einem Gespräch mit den Besuchern, das von Erich Henrich, dem Vorsitzenden der Kulturinitiative Leo Grewenig moderiert wurde, erläuterte Felix Schramm seine   Intentionen und seine Arbeitsweise. Besondere Aufmerksamkeit erweckten dabei die dark sites, eine Werkserie aus großen dunklen Objektkästen. Die besondere Enthüllung: es handelt sich dabei um Staub und Abfälle aus dem Atelier des Künstlers, die auf einer Platte fixiert, mit Blattsilber überzogen und dann mit einer Hülle aus dunkel eingefärbten Acrylglascheiben abgedeckt werden. 

Felix Schramm vor Dark Sites. Foto: klg, CC by-SA 3.0

In dieser Veredelung des Mülls wurden die künstlerischen Absichten von Felix Schramm besonders deutlich, der Zersetzung und Zerstörung als integrale Bestandteile des Kunstwerks betrachtet, die er dann in Setzung und Neubildung überführt. Dabei lassen sich durchaus auch über den Kunstkontext hinausgehende gesellschaftliche Intentionen erkennen, wenn man, wie der Künstler erläuterte, „die Zersetzung als integralen Bestandteil, ja als Motor des Werdens und der Neubildung ansieht“. Viele Anwesende zeigten sich besonders beeindruckt von der hohen Qualität der Werke und der Geschlossenheit der Gesamtkonzeption.

Im Übrigen konnten die Besucher ihre Eindrücke von der Präsentation in Form eines Kataloges mit nach Hause nehmen, der ebenfalls am Sonntag vorgestellt wurde. Dieser wird sowohl einzeln zu erwerben sein, als auch Teil einer größeren Publikation werden, die mehrere Kataloge des Künstlers aus verschiedenen Museen und Galerien zusammenfasst.

Und so steht das Museum Heppenheim bald in einem „engen Verbund“ mit so bedeutenden Institutionen wie dem Kunstmuseum Stuttgart, der Ribot Gallery in Mailand und dem Museum of Modern Art in San Francisco.